Gepäcktriebwagen 2
Drehgestelle der meterspurigen Lokalbahn
Das wichtigste im Überblick
Zwischen Karlsruhe, Durmersheim, Daxlanden und Spöck wurde ab 1890 in mehrere Etappen eine meterspurige Lokalbahn errichtet. Ab 1917 begann der elektrische Betrieb, welcher 1930 bis Durmersheim erweitere wurde. Hierfür erhielt die Lokalbahn drei Gepäcktriebwagen der Waggonfabrik Rastatt. Den Wagen war kein langes Leben beschieden, bereits 1938 wurden diese ausgemustert. Die Elektrik wurde für neue Wagen der städtischen Straßenbahn genutzt und die Wagenkästen nach Lodz abgegeben. Als Erinnerung an die Lokalbahn wurden zwei Drehgestelle aus der OEG Mannheim übernommen, welche kurz nach der Lokalbahn Wagen der Waggonfabrik Rastatt erhielten.

Technische Daten

Baujahr 1930
Anzahl Fahrzeuge 3
Fahrzeug-Nummern 1 bis 3
Länge 11,94 m
Höchstgeschwindigkeit 30 km/h
Leistung 4 x 60 kW
Sitzplätze/Stehplätze –
Achsfolge Bo’Bo

Die Karlsruher Lokalbahn

Im Jahr 1890 eröffnete die meterspurige Lokalbahn zwischen dem Lokalbahnhof, in der Nähe des heutigen Scheck-In-Centers, und Durmersheim über Grünwinkel und Forchheim. Im Jahr darauf wurde die Fortsetzung vom Lokalbahnhof Richtung Norden nach Hagsfeld, Blankenloch und Spöck eröffnet. Die Lokalbahn band diese Ort an Karlsruhe an und setzte meterspurige Dampflokomotiven mit Personenwagen ein. 1913 ging eine weitere Strecke nach Daxlanden in Betrieb. Viele Halte der Strecke zwischen Hagsfeld und Spöck lagen dabei weit außerhalb der Bebauung. Diese Strecke war für potentielle Fahrgäste wenig attraktiv und wurde nach dem ersten Weltkrieg eingestellt.

Die Lokalbahn wurde im Jahr 1915 durch die Stadt Karlsruhe übernommen. 1917 wurde eine neue Strecke durch die Mathy- und Gartenstraße in Betrieb genommen, welche die alte Trasse durch die Kriegsstraße ersetzte. Durch die Ausführung mit Dreischienen-Gleis konnte diese sowohl von der normalspurigen Straßenbahn, als auch von der meterspurigen Lokalbahn genutzt werden. Ab 1919 begann der elektrische Betrieb auf der Lokalbahn zwischen Hagsfeld und Daxlanden, während nach Durmersheim weiterhin Dampfzüge fuhren. Dafür standen sieben Straßenbahnwagen zur Verfügung. Ab 1929 konnte auch nach Durmersheim elektrische gefahren werden, dazu wurden drei weitere Gepäcktriebwagen beschafft. Die elektrischen Fahrzeuge waren nicht ausreichend, so dass weiterhin Dampflokomotiven zum Einsatz kamen.

Aufgrund von häufigen Störungen durch den Mischbetrieb mit der städtischen Straßenbahn musste die Lokalbahn ab 1931 an beiden Seiten am Stadtrand enden. Neue Fahrscheine mit Umsteigeberechtigung wurden eingeführt, mit welchen die Fahrgästen weiter bis zu Ihrem Ziel fahren konnten. Ab 1937 wurde das Streckennetz durch Stilllegung der Strecke nach Durmersheim verkleinert. 1938 endete der Betriebe auf der Seitenbahn nach Daxlanden, welches auch durch die städtische Straßenbahn angeschlossen war. Damit verblieb nur die Strecke zwischen Hirtenweg und Hagsfeld in Betrieb. Hier konnte der Verkehr bis ins Jahr 1955 aufrecht gehalten werden.

Neben Personenverkehr wurde auch Güterverkehr durchgeführt und verschiedene Kunden entlang der Strecke bedient. Dazu gehörten die IWK (heutiges ZKM) und die Nähmaschinenfabrik Haid & Neu. Noch viele Jahre nach der Stilllegung der Lokalbahn hat sich auf den den beiden Grundstücken Reste des Meterspur-Gleises gehalten.

Fahrzeuge der elektrischen Lokalbahn

Mit der Elektrifizierung wurden neue, elektrische Fahrzeuge benötigt. Dazu entstanden zwischen 1917 und 1921 insgesamt sieben Triebwagen. Diese entstanden durch Umbau von bestehenden Beiwagen mit einer elektrischen Ausrüstung der AEG. Die Fahrzeuge erhielten die Nummer 1 bis 7, nach Übernahme durch die städtische Straßenbahn die Nummern 101 bis 107, ab 1929 die Nummern 180 bis 187.

Im Jahr 1930 erhielt die Lokalbahn drei elektrische Gepäcktriebwagen von der Waggonfabrik Rastatt mit elektrischer Ausrüstung der Siemens-Schuckert-Werke. Dabei sollte es sich um die letzten neuen Fahrzeuge für die Lokalbahn handeln. Diese verblieben nur kurz im Einsatz, bereits 1938 wurden diese wieder ausgemustert. Die elektrische Ausrüstung wurde für den Bau weiterer Spiegelwagen verwendet, während die Wagenkästen ins durch die deutsche Wehrmacht besetzte Lodz abgegeben wurden. Auch nach Ende des Krieges verblieben diese dort. Ein Wagenkasten blieb dort erhalten und dient noch heute als Gartenlaube.

Da in Karlsruhe keine Fahrzeuge der meterspurigen Lokalbahn erhalten blieben, wurden nicht mehr benötigte Drehgestelle von der Oberrheinischen Eisenbahn in Mannheim übernommen. Diese erhielten kurz nach der Lokalbahn ebenfalls Gepäcktriebwagen der Waggonfabrik Rastatt. Gemeinsam mit einem kurzen Gleisstück erinnern diese an die Zeit der Karlsruher Lokalbahn.