Triebwagen 124 „Badewanne“
Gelenkwagen der Albtalbahn von 1975
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Gesprochen von Dorothee Roth
Das wichtigste im Überblick
Für die Erweiterung der Albtalbahn nach Ittersbach wurden 1975 vier weitere Triebwagen benötigt. Diese wurde in einem neuen, kantigen Design beschafft, während die bewährte EP-Steuerung beibehalten wurde. Ab 1987 kamen diese ausschließlich im Stadtgebiet Karlsruhe zum Einsatz, wo die letzten beiden Wagen nach mehreren Modernisierungen noch bis 2015 fuhren. Triebwagen 124 ist als einziges Fahrzeug erhalten und im Zustand von 2015.

Technische Daten

Baujahre 1975
Anzahl Fahrzeuge 4
Fahrzeug-Nummern 122 bis 125
Länge 26,45 m
Breite 2,4 m
Gewicht 32,06 t
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Leistung 2 x 150kW
Sitzplätze/Stehplätze 94/131
Achsfolge Bo’2’2’Bo

Lieferung & Aufbau des Fahrzeugs

Für die 1975 zu eröffnenden Strecke von Langensteinbach nach Ittersbach benötigte die AVG weitere Fahrzeuge. Die letzten EP-Gelenkwagen wurden 1969 geliefert und waren technisch nicht mehr Stand der Technik. Man bestellte vier optisch abweichende Gelenkwagen, dem Zeitgeist entsprechend wurde ein kantiges Design gewählt. Bei der elektrische Ausstattung entschied man sich für das bewährte EP-Schaltwerk, wie bei ihren Vorgängern. Dieses war zwar längs veraltet, aber dadurch konnten die neuen Wagen im Zugverband gemeinsam mit den älteren Wagen eingesetzt werden.

Die Fahrzeuge wurden im für die Zeit typischen gelb-grün der AVG geliefert. Bei der Innenausstattung ordnete man alle Sitze in Abteilform an, druckluftbetätigte Schwenkschiebetüren ersetzten die üblichen Falttüren. Neu entwickelte Drehgestelle ermöglichten eine bessere Laufruhe. Große Fenster ermöglichten auch stehenden Fahrgästen den Ausblick ins Albtal. In den Seitenwänden wurden Armablagen für die Fahrgäste eingearbeitet, die viele Fahrgäste an die Seifenablage der eigenen Badewanne erinnerten. Aus diesem Grund erhielten die Wagen den Spitznamen „Badewanne“.

Optisch ähnliche Fahrzeuge wurden ebenfalls ins hessische Darmstadt verkauft.

Einsatzgeschichte & Verbleib

Die Fahrzeuge bestritten gemeinsam mit den älteren EP-Wagen alle Fahrten der Albtalbahn. Sie standen dabei auf dem gesamten Netz im Einsatz, nicht nur auf der Strecke nach Inttersbach, welche Anlass für die Beschaffung war. Dabei kam es meist zu einem Einsatz eines gemischten Zugverbandes mit den älteren EP-Gelenkwagen.

Ab 1987 wurden die Wagen durch die neuen Stadtbahnwagen verdrängt und kamen fortan innerstädtisch zum Einsatz. Um auch auf Strecken mit hohen Bahnsteigen eingesetzt werden zu können, erhielten diese 1990 bis 1991 Schwenktrittstufen, welche den Zustieg erleichterten. Damit waren diese Fahrzeuge sehr flexibel einzusetzen. Zwei der vier Fahrzeuge erhielten 2001 bzw. 2003 eine moderne Chopper-Steuerung, welche das wartungs- intensive EP-Schaltwerk ersetzte.

Die beiden nicht umgebauten Fahrzeuge 122 und 123 kamen noch bis 2005 zum Einsatz. Die beiden Wagen mit Chopper-Steuerung, 124 und 125, standen noch bei 2015 im Linieneinsatz. Durch Umbau des Streckenastes nach Rintheim und Lieferung zahlreicher neuer Fahrzeuge bestand keine Notwendigkeit mehr für diese Fahrzeuge, sodass diese ausgemustert werden konnten. Der Triebwagen 124 ist als einziges Fahrzeug erhalten und repräsentiert den Zustand es letzten Linieneinsatzes.